Mathias Stölzer

Grundpraktikum an der Uni Halle im Corona-Semester

Martin-Luther-Universität, Institut für Physik, Von-Danckelmann-Platz 3, 06120 Halle

Die Lehrenden des Instituts für Physik der Uni Halle haben Ende März damit begonnen, sich in gemeinsamen online-Konferenzen über konkrete Vorgehensweisen bei der Lehre unter Corona-Bedingungen auszutauschen. Dabei herrschte große Einigkeit darüber, dass die praktische Ausbildung von sehr großer Bedeutung ist und nicht adäquat durch online-Lehre und „Hausaufgaben“ ersetzt werden kann. Die Aufgeschlossenheit der Entscheidungsträger in Fakultät und Uni-Leitung gegenüber der praktischen Ausbildung sowie die Eindämmungsverordnungen des Landes Sachsen-Anhalt (und die Arbeit aller Beteiligten) haben es letztlich ermöglicht, dass wir ab 14. Mai mit einem genehmigten Hygieneplan weitgehend „normale“ Praktika durchführen konnten. Das Grundpraktikum verfügt über 11 Räume mit 160 Arbeitsplätzen, von denen wir unter normalen Bedingungen möglichst nicht mehr als 80 besetzen. Alle Versuche existieren 2-fach nebeneinander. Die Hygienemaßnahmen in diesem Jahr brachten uns

  • eine Kapazität von nur 40 Praktikumsteilnehmern (nur 1 von 2 Versuchen besetzt, bei teilweise 60 Kursteilnehmern)
  • Maskenpflicht für alle
  • 1,5 m Mindestabstand auch innerhalb der Zweiergruppen (nur einer darf „die Finger am Experiment“ haben)
  • um 30 min zeitversetzter Praktikumsbeginn für jeweils 20 Teilnehmer
  • Desinfektion von Computertastaturen und -Mäusen nach Benutzung
  • Einführungs- und Begleitveranstaltungen nur online

Insgesamt hatten wir 400 Studierende verschiedenster Fachrichtungen, die zwischen 80% und 100% der regulär vorgesehenen Experimente durchführen konnten. Der logistische Aufwand und der Betreuungsaufwand waren erheblich. Da jedes Experiment nur einmal lief, musste jeder Tutor 4 verschiedene Experimente betreuen. Jede Veranstaltung ging 30 min länger als sonst. Am Semesterende haben wir noch 2 Wochen bis zum 31. Juli angehängt. Für Kurse mit 60 Studierenden gab es 15 Veranstaltungen, so dass jeder 10 (von sonst 12) Experimenten durchführen konnte. Die Abgabe der Protokolle erfolgte insbesondere am Ende der Praktikumszeit überwiegend per E-Mail, was unsere auf 2 GB beschränktem Mailboxen flutete. Über dieses und andere Probleme sowie über unsere Vorgehensweise im kommenden Wintersemester berichte ich gern mündlich.


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